SchreibWerkstatt
Neue Texte Frankfurter Autoren
Sommerpause
Im Juli und August legt
PRO LESEN
eine Sommerpause ein.
Danach gibt‘s
einen heißen
Herbst
mit neuen Büchern
und Aktuellem
aus der Literaturszene.
Start am 17. September:
„Spannende
Geschichten“

Vorsicht Dummheit
An ihrer praktizierten Sprache kann man Bewusstsein und Bewusstlosigkeit einer Gesellschaft erkennen.
Es reichen nur wenige Beispiele, um Herausforderungen und Probleme exemplarisch deutlich zu machen:
*in / *innen
Mit diesen Anhängseln soll nach den Vorstellungen ideologischer Feministinnen eine vermeintlich fehlende sprachliche Geschlechtergerechtigkeit hergestellt und die Trennung zwischen grammatischem und biologischem Geschlecht aufgehoben werden.
Diese Unterscheidung gehört jedoch seit Jahrhunderten zu den Merkmalen der deutschen Hochsprache und ist die Voraussetzung für die Präzision des Deutschen. Sie erlaubt einerseits die wissenschaftliche Abstraktion (siehe die klassische deutsche Philosophie, Nietzsche, Schopenhauer, Heidegger oder die Frankfurter Schule) sowie die literarischen Höchstleistungen unserer Denker und Dichter und andererseits die geschlechtsbezogene Konkretion. So ist der Begriff „Leser“ geschlechtsübergreifend. Sollen männliche und weibliche Leser besonders erwähnt werde, sagt man Leserinnen und Leser (oder umgekehrt). Es scheint jedoch, dass dieser intellektuelle Transferprozess manche Menschen überfordert. Möglicherweise, weil sie in Elternhaus, Schule und Beruf nie gefordert wurden.
Die Anhängsel *in bzw. *innen bedeuten faktisch eine Hierarchisierung. Denn sie heben das genderneutrale Maskulinum (Epikoinon) eines Substantivs auf, worauf sich der Anhang bezieht, und vermännlichen es. Die *in und *innen gewinnen dadurch jedoch keine Qualität im Sinn von Geschlechtergerechtigkeit, sondern begeben sich in Abhängigkeit. Der Mathematiker und Sprachlogiker Gottlob Frege hat Jahrzehnte vor der Genderdiskussion in seiner Abhängigkeitsformel darauf hingewiesen: „Wenn A, dann B. B falls A.“
Im NS-Staat wurde die Abhängigkeit der Frauen von den Männern nicht nur praktisch, sondern auch sprachlich zu zementieren versucht. Das bekanntestes Schlagwort, das zur Devise der NS-Frauenschaft wurde, lautete „Frauen – die Mütter im Vaterland“.
Der ideologische Feminismus besitzt offensichtlich einen völkischen Beigeschmack. Auffällig ist auch, dass in den Kreisen der Genderer (ich nenne sie mal so) ein hochtoxischer Begriff aus dem Propagandaministerium des Joseph Goebbels unbekümmert angewandt wird: Kulturschaffende. Er ist auch unter schlecht ausgebildeten Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks häufig anzutreffen. Als Gebührenzahler sollten wir ihnen die rote Karte zeigen.
Wer ohne detaillierte Kenntnis der komplexen deutschen Sprache, insbesondere ihrer sich in genuiner Weise entwickelt habenden Logik und Regeln (Grammatik), eine Reduktion dieser Merkmale fordert, strebt eine Gesellschaft der Einfältigen an. Was manche nicht daran hindert, digitale Programme wie eine künstliche Intelligenz zu propagieren. Vor allem in diesen Kreisen wird das Partizip Präsens falsch angewendet. Auf diese Weise entstehen irreführende Begriffe, die zu gravierenden Denkfehlern führen. Hier zwei typische Beispiele: Mitarbeitende statt Mitarbeiter, Studierende statt Studenten. Wer aktuell an einer Sache mitarbeitet, ist ein Mitarbeitender oder eine Mitarbeitende. Gehören sie und er jedoch einer Arbeits- oder Berufsgruppe an, sind sie Mitarbeiter (Mitarbeiterinnen) bzw. Studenten (Studentinnen).
Wer mit der deutschen Sprache in so schluderiger Weise umgeht, wird keine Prozessbeschreibung für digitale (künstliche) Intelligenz verfassen können. Denn dabei sind Präzision und logische Schritte unverzichtbar. Wer nur über mäßige Intelligenz verfügt oder in Schule und Studium seine Talente verlor, wird keine funktionierende KI hervorbringen können. Denn sie, die KI, denkt nicht. Das müssen ihre Entwickler in genialer Weise leisten.
Unser digitales Zeitalter verträgt keine Schlichtheit des Denkens, sondern erfordert einen messerscharfen Verstand. Lassen Sie sich doch einmal von Ludwig Wittgensteins „Tractatus logico-philosophicus“ inspirieren. Und greifen Sie parallel zu Kurt Gödels Zusammenfassung der epochalen „Principia Mathematica“ von Bertrand Russell und Alfred North Whitehead, dem Standardwerk der Aussagenlogik.
Liebe Leser, auch nach der Sommerpause werde ich Sie mit den Regeln der deutschen Sprache nerven. Versprochen.
Ihr Klaus Philipp Mertens

