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Ernst Hilmer

94. PRO LESEN - Themenwoche Mai 2022

Vougar Aslanov: Russisches Gesetz

 

 

16. bis 21. Mai 2022 im Bibliothekszentrum Sachenhausen

Buchausstellung
Zugänglich während der Öffnungszeiten der Bibliothek

 

Autorenlesung
19. Mai 2022, 19:00 - 20:30 Uhr
Vougar Aslanov liest aus seinem neuen Roman

Anschließend Publikumsgespräch

Eintritt frei

 

 

Auf ein Wort

Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich nur klar sagen. Ohne zu schwafeln, ohne zu gendern.

 

Unterwegs in halbseidenen Milieus?
„hessenschau.de“ hebt Unsägliches in den Rang presseüblicher Berichterstattung

 

Wer sind Faisal Kawusi, Joyce Ilg und Luke Mockridge? Welche ihrer Eigenschaften und Verdienste rechtfertigen es, dass sie in „hessenschau.de“ am 21. April ausführlich, wenn auch mit leicht kritischem Unterton, dargestellt wurden? Muss ein interessierter Zeitgenosse (Frau und Mann) diese Leute kennen?

O-Ton laut „hessenschau.de“: „Ich bin für eure scheiß Gefühle nicht verantwortlich", grollt Faisal Kawusi in die Selfie-Kamera seines Smartphones. Der Komiker aus Groß-Gerau ist sichtlich aufgebracht. Sein Kommentar unter einem Instagram-Post seiner Comedy-Kollegin Joyce Ilg hat in den sozialen Netzwerken heftige Kritik ausgelöst. Rund einen Tag später hat Kawusi sich entschuldigt. Was war geschehen? Die Komikerin Joyce Ilg hatte zu Ostern ein Foto von sich und Komiker Luke Mockridge gepostet und dazu geschrieben: „Hat hier irgendwer von euch Eier gefunden? Ich hab nur ein paar K.o.-Tropfen bekommen."
So weit der nach Überzeugung der hr-Redakteure medienrelevante Vorgang.
 

Oder möchte der hr vorsorglich dazu beitragen, diesbezügliche Bildungsdefizite in seinem sich anscheinend disparat zusammensetzenden Publikum zu verringern? Soll möglicherweise auch der Konsum des Softporno-Forums „Instagram“ nahegelegt werden, das sämtliche Internetaffinen mit geschultem publizistischen Geschmack nicht goutieren? Ebenso wenig wie „Facebook“, den Treff aller Persönlichkeitsgestörten.
 

Auf meine entsprechende Anfrage schrieb mir der Chef vom Dienst der „hessenschau.de“: „Da es unser Anliegen und Auftrag ist, möglichst weite Teile der Gesellschaft mit unserer Berichterstattung zu erreichen, findet sich auch ein entsprechend breites Spektrum an Meldungen auf hessenschau.de wieder. Der von Ihnen angesprochene Artikel zum hessischen Comedian Faisal Kawusi richtet sich daher gezielt an ein jüngeres Publikum, das mit den Protagonisten sowie den Ausspielwegen, die der hr auf seinen Social-Medien-Kanälen ebenfalls bedient, bestens vertraut ist. Eine kritische Kommentierung und Einordnung dieses - zugegebenermaßen eher eingängigen - Themas wird darüber hinaus unserem öffentlich-rechtlichen Anspruch durchaus gerecht.“

 

Die Frage nach den Zielgruppen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wird seit dessen ersten Sendungen gestellt. Und eine ebenso lange Tradition hat die Anschlussfrage, ob das als solches erkannte und kategorisierte Publikum tatsächlich existiert oder lediglich eine willkürliche und nicht repräsentative Schnittmenge darstellt.
Die Digitalisierung des Rundfunks hat dieses Grundproblem sogar noch verstärkt. Anstatt eigene öffentlich-rechtliche Plattformen für Hörer und Zuschauer zu installieren, die inhaltliche Qualität und demokratische Transparenz sicherstellen, bedient man sich kommerzieller Anbieter wie Facebook. Dadurch wird der öffentlich-rechtliche Rundfunk sowohl zur Abspielbasis als auch zum Alibi für die sogenannten sozialen Netze. Obwohl digitale Medien technisch zu einer größtmöglichen Komplexität in der Lage sind, neigen die Angebote von Facebook & Co. zur Reduktion komplexer Inhalte und damit zu einer geradezu extremen Schlichtheit. Komplex hingegen sind die Verfahren, um die Nutzer hinsichtlich ihrer Präferenzen auszuspionieren. Das führt dazu, dass Themen und Zielgruppen als relevant bezeichnet werden, die es gar nicht sind oder die es gar nicht gibt. So vermitteln die Social-Media-Kanäle den Eindruck von einer Jugendkultur, die es so wie dargestellt gar nicht gibt.

 

Bleiben Sie kritisch.
Ihr Klaus Philipp Mertens