SchreibWerkstatt
Neue Texte Frankfurter Autoren
Tschechische Erzähler. 134. PRO LESEN-Themenwoche
12. - 17. Oktober 2026
Tschechische Erzähler
Vorgestellt von PRO LESEN
Büchertisch und Lesung
Bibliothekszentrum Sachsenhausen, Obergeschoss
15. Oktober 2026, 19:00 - 20:30 Uhr
Lesung im Donnerstagabend Studio
Aussschnitte aus
Bohumil Hrabal:
Ich habe den englischen König bedient
Ota Filip:
Pinzza ist gestorben
Karel Čapek:
Der Mordversuch
Jaroslav Hašek:
Praktikant Schemla
Jan Neruda:
Der Wassermann
Es liest das PRO LESEN-Redaktionsteam
Mit Publikumsgespräch. Eintritt frei

Auf der Kulturmeile ins Kulturchaos?
Frankfurts Haushalt reicht nicht aus für Luxus und Wünschenswertes
Die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung beschloss vor ca. drei Jahren endgültig den Abriss der Theaterdoppelanlage am Willy-Brandt-Platz und den Neubau der Oper (am selben Ort) und des Schauspielhauses (auf der bisherigen Helaba-Liegenschaft an der Neuen Mainzer Straße). Außerdem den Bau eines Ausweichquartiers während der Bauzeit im Industrieareal an der Gutleutstraße. Letzteres soll mit einer verlängerten Straßenbahnlinie rasch und umweltfreundlich erreichbar sein. Die für das Projekt verantwortliche Kulturdezernentin schwärmte von einer Kulturmeile zwischen Museumsufer und Alter Oper und hat diverse plakative Entwürfe vorgestellt.
Damit alles äußerlich elegant wird, verwarf sie mit einem Federstrich sämtliche Überlegungen über eine pragmatische Sanierung des 60 Jahre jungen Bauwerks, die für den Stadthaushalt eigentlich angemessener sein dürfte.
Denn die Kosten für das Projekt werden nach dem derzeitigen Baukostenindex bei 1,3 Milliarden Euro liegen. Doch in den bisherigen Haushaltsentwürfen fehlt der Posten „Theaterneubau“ völlig. Möglicherweise rechnen Stadtparlament und Kulturdezernat damit, dass rechtzeitig Geld vom Himmel fallen wird. Vielleicht hofft man darauf, dass sich in dem 2 Millionen Euro teuren Netz, das über der Konstablerwache gespannt wurde und als Kunst ausgegeben wird, sich Sternentaler in Milliardenhöhe verfangen. Oder dass das Land Hessen einen gewaltigen Batzen rüberschiebt.
Möglicherweise zieht man sogar Schwarzgeld von bekannten Clans in Betracht. Solches wird häufig zu Betongold gewaschen. Allerdings bekäme die Kulturmeile dann einen etwas halbseidenen Anstrich. Im Penthouse der Neubauten träfe man auf den einen und anderen Puff. Und in Seitenflügeln stieße man auf Luxusherbergen von Oligarchen.
Da ich hin und wieder Stadtverordneten begegne (außer in Schauspiel und Oper), halte ich es für wahrscheinlich, dass sich fast keiner Gedanken über die Finanzierung gemacht hat. Man hat ohne Wissen, aber mit reinem Gewissen für eine vermeintlich gute Sache gestimmt. Für alles andere würden die Götter sorgen. Oder der Finanzminister in Wiesbaden.
Aber der legt sich quer. Die Landesregierung genehmigt Frankfurts Haushalt nur unter Auflagen. Teure Projekte, deren Finanzierung nicht gesichert sind, stehen auf der Streichliste. Heiße Kandidaten sind die Multifunktionshalle im Stadtwald, die Oper, das Schauspielhaus und der grüne Deckel über der A 661. Mutmaßlich wird die Stadtbücherei weiterhin ein Defizit (sprich: uralte Schinken) verwalten und Filialen in den Stadtteilen könnten geschlossen werden.
Hätte man vor fünf Jahren mit der umfassenden Sanierung der Theaterdoppelanlage begonnen, wäre diese Maßnahme längst abgeschlossen. Sollte das Theater tatsächlich so baufällig sein, wie es beschrieben und beschrien wurde, könnte man dem Verfall sogar zusehen. Aber besser von außen, denn innen wird es, traut man den Auguren, bald lebensgefährlich. Frankfurt wäre in absehbarer Zeit ohne Theater.
Vermutlich dürften die Abgeordneten, die für die Neubauten stimmten, es mit Achselzucken zur Kenntnis nehmen. Das Leben sei eben kein Wunschkonzert. Und solange die Eintracht in der ersten Liga spielt, wäre die Welt noch in Ordnung. Ein Milliardenprojekt für lediglich 40.000 Stammbesucher hätte ohnehin das Geschmäckle eines unmoralischen Angebots.
Bitte bleiben Sie uns gewogen und diskutieren Sie streitig.
Ihr Klaus Philipp Mertens

