Frankfurter Netzzeitschrift für Kultur, Literatur & gesellschaftlichen Diskurs

Das kritische Tagebuch

…von der Bundesgenderkammer, ob genügend Ungerechtigkeit verschwiegen wird

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Über Seilschaften in der Politik

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hr2-kultur

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Vom Geist der Zeit

Sprachgeschichtliche Aspekte zu einer aktuellen Kontroverse

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Flucht aus dem „Netz“ und warum einige sich erst gar nicht darin verfangen

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Erste Sätze der Weltliteratur und was sie uns verraten

Von Peter-André Alt

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SchreibWerkstatt

Neue Texte Frankfurter Autoren

Johannes Haan
Giganten stürzen tief
Polit-Thriller

91. PRO LESEN-Themenwoche 20. - 24. Oktober

Vougar Aslanov: Des Wortes Schatz

Buchausstellung und Lesung im Bibliothekszentrum Sachsenhausen

 

Der in Aserbaidschan geborene und in Frankfurt am Main lebende Schriftsteller liest am 22. Oktober aus seinem neuen Roman "Restlos", einer belletristischen Biografie über den jungen Friedrich Engels.
Anschließend Publikumsgespräch mit dem Autor.
19:00 Uhr bis 20:30 Uhr
Eintritt frei

 

Da wegen der Corona-Schutzmaßnahmen lediglich 20 Plätze zur Verfügung stehen, ist eine Reservierung (telefonisch oder per E-Mail) notwendig.

Sämtliche Veranstaltungen im Bibliothekszentrum Sachsenhausen stehen derzeit unter den Vorgaben des Landes Hessen und der Stadt Frankfurt a. M. zur Corona-Gefahrenabwehr.

 

 

 

 

Verdummung durch Sprache

Von Dummdeutsch bis Gendern

 

Liebe Leserinnen und Leser,
 

„Wenn die Sprache nicht stimmt, so ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist.“ Dieser Einschätzung von Konfuzius ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Denn Sprache dient auch als Instrument, um das, was über Menschen und die Welt des Menschen ausgesagt werden könnte und müsste, zu verschleiern. An unserer Sprache, ganz besonders an unserer Alltagssprache, ist abhörbar und ablesbar, ob wir alles, was im Sinn des Philosophen Ludwig Wittgenstein „der Fall“ ist, also die Gesamtheit der Tatsachen, umfassend wahrnehmen, sie objektiv bewerten und ob wir eindeutige Worte benutzen, um sie korrekt zu beschreiben. Wittgensteins sprachphilosophische Abhandlung „Tractatus logico-philosophicus“ bewegt sich nach seinen eigenen Worten um die komplexe Erkenntnis: „Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen.“ Auf diese Weise zieht er den Möglichkeiten, Gedanken überhaupt ausdrücken zu können, eine Grenze. Diese kann nach seiner Meinung nur in der Sprache gezogen werden und keinesfalls im Denken. Was jenseits von ihr liegt, also jenseits aller Ausdrucksmöglichkeiten, „wird einfach Unsinn sein“.
 

Unsinn bedeutet mithin Sinn, der keinen Sinn ergibt, weil er keinen Sinn besitzt und zu keinem Sinn führt. Fest an der Seite des Unsinns steht die Dummheit - und hiermit ist die anerzogene, also die synthetische Dummheit gemeint (und nicht eine angeborene Minderbegabung). Sie ist das Produkt vielfältiger Manipulationen. Und sie artikuliert sich nicht zuletzt in dummer Sprache, die in jedem ihrer Elemente unter Wittgensteins Verdikt fällt. Für sie gibt es hierzulande seit über zwei Jahrzehnten den Begriff „Dummdeutsch“, zu dem der Satiriker Eckhard Henscheid entscheidend beigetragen hat.
 

Die Traditionslinien des Dummdeutschen führen weit zurück. Hierzu ein Beispiel: Während der römische Satiriker Juvenal formulierte: „Wir wollen beten, dass in einem gesunden Körper auch endlich einmal ein gesunder Geist wohnen möge“, grassiert seit der Epoche des deutschnationalen und reaktionären Pädagogen und „Turnvaters“ Friedrich Ludwig Jahn (1778 - 1852) eine schwach- und unsinnige Verfälschung. Dass nämlich nur in einem gesunden Körper ein gesunder Geist wohnen könne.

Dummdeutsch scheint zudem von einer besonderen Fruchtbarkeit gesegnet zu sein. Denn längst hat sich eine Schwester (oder ist es ein Bruder?) eingestellt, nämlich Denglisch! Dummdeutsch plus Denglisch – das ist eine Atombombe mit Zeitzünder für den Verstand!
 

Auch das Gendern, die Umformung des grammatikalischen Geschlechts in eine synthetische feminine bzw. maskuline Form, besitzt die besten Voraussetzungen, um zu einer Gattung des Dummdeutschen zu werden. Denn die erhoffte „gerechte“ Sprache wird wegen ihrer Unaussprechlichkeit (z.B. bei Sternchen, Strichen, Doppelpunkten) dazu führen, dass sich Sprache mit sich selbst beschäftigt, statt Ungerechtigkeit zu beschreiben.

Bleiben Sie wachsam. Denn an ihrer Sprache lassen sich Manipulatoren und Verführer erkennen.

 

Und bleiben Sie uns gewogen.
Ihr Klaus Philipp Mertens