Frankfurter Netzzeitschrift für Kultur, Literatur & gesellschaftlichen Diskurs

Vom Geist der Zeit

Der Buchhandel in Zeiten von Corona und seine falschen Ratgeber

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BLINKIST - der einfache und nicht ganz billige Weg zum Nichtwissen

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Verse zur Lage der Nation

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Moralische Aufrüstung im Angesicht von Corona

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Zur Gefahrenabwehr bedarf es auch intellektueller Gesundheit

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Buchtipps

Erste Sätze der Weltliteratur und was sie uns verraten

Von Peter-André Alt

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Kultur-Nachrichten

Gedenktage im April

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Die Buchhandlung „BUCHPLATZ“ in Sachsenhausen trotzt der Corona-Krise und hat einen Bestell-, Liefer- und Abholservice eingerichtet.

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SchreibWerkstatt

Neue Texte Frankfurter Autoren

Hanns - Martin Dorenkamp: Der Jakobiner-Club

Das PRO LESEN - Thema

Der Thriller-Zyklus VIRENKRIEG greift die Aktivitäten von Geheimdiensten im Kontext des militärisch-industriellen Komplexes auf

 

 

PRO LESEN und der Ybersinn Verlag wollten am 16. April den vierten Band von Lutz Büges VIRENKRIEG-Zyklus, der im März unter dem Titel EVAN erschienen ist, der interessierten Öffentlichkeit vorstellen.
Da die Frankfurter Stadtbücherei wegen der Corona-Pandemie bis voraussichtlich 31. Mai geschlossen ist, müssen wir die Premiere auf einen späteren Zeitpunkt, voraussichtlich auf Juni, verschieben.

 

Zur Einstimmung finden Sie an dieser Stelle erste Informationen zum neuen Roman, eine kurze Rückschau auf die vorher erschienen Bände und bereits sehr bald eine ausführliche Rezension von EVAN.
 

Das abgebildete Heft REALITY FICTION mit ausführlichen Informationen zum VIRENKRIEG-Zyklus kann von der Rubrik ARCHIV / DOWNLOADS, Spalte Downloads, kostenlos heruntergeladen werden.

 

 

 

 

Corona: Unser Tun und Lassen

Über den richtigen Umgang mit Katastrophen in einer komplexen Welt

 

Liebe Leserinnen und Leser,
 

ist Corona lediglich ein Härtetest für die Menschheit? Müssen wir uns auf die so genannte Herdenimmunisierung von ca. 58 Millionen Menschen (bis zu siebzig Prozent der Bevölkerung) und geschätzten 500.000 bis zwei Millionen Toten als unvermeidliche Kollateralschäden in Deutschland einstellen? Oder wird diese Seuche völlig überschätzt und werden dadurch andere, vermeintlich wichtigere, Probleme verdrängt? Diesen Eindruck könnte man gewinnen, wenn man in diesen Tagen manchen Kommentatoren zuhört.
 

Doch wollen wir es zulassen, dass Sachzwänge, die wir selbst – zumeist anhand ökonomischer Standards - definieren, sämtliche ethischen Gebote beiseiteschieben, die bislang Grundlagen des gesellschaftlichen Konsens sind? An welchen Regeln sollten wir uns orientieren, damit wir die Humanität nicht leichtfertig preisgeben?
 

Häufig hilft es weiter, den Rat der Philosophen einzuholen, die sich der Liebe zur Weisheit verschrieben haben. „Die Welt ist durch die Tatsachen bestimmt und dadurch, dass es alle Tatsachen sind“, schrieb Ludwig Wittgenstein 1921 in seinem „Tractatus logico-philosophicus“. Mit seinem Theorem erinnerte der Sprachphilosoph und Wissenschaftstheoretiker daran, dass eine Tatsache eine andere weder ausschließen noch priorisieren kann. Ja, dass die Komplexität der vom Menschen erkannten Wirklichkeit diesen dazu verpflichtet, keine Reduktion dieser Vielschichtigkeit zu betreiben und entsprechende Versuche nicht zuzulassen. Diese Tatsachen (Elemente) von unterschiedlichster Beschaffenheit und moralischem Wert sind vorhanden. Wir müssen sie zwangsläufig kategorisieren, bewerten und Prioritäten festlegen. Manche Einordnungen werden wegen sich neu ergebender Gesichtspunkte zugunsten besserer Lösungen zu korrigieren sein. Andere hingegen, die elementar die Existenz des Menschen betreffen, besitzen einen ewigen Wert.
 

Folglich vermag die Bedeutung eines medizinischen Problems, das die Menschheit in ihrem Innersten betrifft, die Wichtigkeit eines sozialen oder politischen zumindest vorübergehend hintanstellen. Denn „die Welt ist alles, was der Fall ist“ (Wittgenstein): Sie ist Corona plus Influenza plus Klimakatastrophe plus Flüchtlingselend plus neoliberaler Kapitalismus plus gefährdete Menschenrechte plus Immobilienspekulation usw. Da man erfahrungsgemäß nicht alles auf einmal lösen kann, ergeben sich – zumal in Notsituationen - Prioritäten.
 

Empirisch lässt sich sehr exakt beschreiben, dass ein Coronavirus pandemisch vorhanden ist, dass es rasch und exponentiell von Mensch zu Mensch übertragenen wird (falls diese leichtfertig sind) und dass vorrangig lebensältere Menschen mit definierbaren Vorerkrankungen daran lebensgefährlich erkranken und ein hoher Prozentsatz (gemessen an den Gesamterkrankungen und an der gesundheitlichen Infrastruktur der Länder) von ihnen gestorben ist. Und dass man dagegen alles, was irgend möglich ist, tun muss. Die Kulturtechnik des verstehenden Lesens ermöglicht jedem, der es will, dazu, die Sachverhalte zumindest in ihrer grundsätzlichen Bedeutung zu erfassen. Unter den obwaltenden Umständen kann es derzeit nur eine Lösungsperspektive geben:
 

  • Das rasche Abflachen der Infizierungen in Richtung Nullinfektion durch konsequente Kontaktverbote.
  • Der besondere Schutz der Risikogruppen.
  • Das Entwickeln von Medikamenten, die den besonders Gefährdeten das Überleben ermöglichen.
  • Das Entwickeln einer Schutzimpfung für die Mehrheit der Bevölkerung.
  • Ein permanentes Durchtesten, um den allmählichen Neustart des öffentlichen Lebens zu ermöglichen.

 

Der Kampf gegen Corona ist allein wegen seiner bisherigen Opfer ethisch geboten.
 

Er schließt den Widerstand gegen Neoliberalismus und seine Folgen (u.a. Klimaveränderung), gegen die Ausbeutung von Menschen, gegen Rassismus, gegen die Unterdrückung von Frauen und Minderheiten, gegen religiösen Fundamentalismus etc. nicht aus, ganz im Gegenteil.
 

Wir befinden uns nicht auf dem Weg in eine Gesundheitsdiktatur (wie unlängst in einer überregionalen Zeitung zu lesen war), sondern wir machen durch die Oberflächlichkeit, mit der wir an Probleme herangehen, die Dummheit salonfähig und verwechseln zunehmend bei unserem Denken und Handeln die logischen Ebenen.
 

 

Bitte bleiben Sie kritisch, neugierig und uns gewogen. Und bleiben Sie gesund.
Ihr Klaus Philipp Mertens