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SchreibWerkstatt

Neue Texte Frankfurter Autoren

110. PRO LESEN-Themenwoche 19. - 24. Februar 2024

Gesang zwischen den Stühlen. Eine Revue aus Anlass von Erich Kästners 125. Geburtstag am 23. Februar

 

22. Februar 2024, 19:00 – 20:30 Uhr
Donnerstagabend-Lesung

 

 

Der Mensch ist sein eigenes Gefängnis
Wir lesen Beispiele aus Kästners zeitkritischer Prosa und Lyrik

 

Anschließend Publikumsgespräch
Eintritt frei

 

 

 

Ich bin ein Deutscher aus Dresden in Sachsen,

mich lässt die Heimat nicht fort.

Ich bin wie ein Baum, der - in Deutschland gewachsen -,

wenn's sein muss, in Deutschland verdorrt.

 

 

 

 

 

 

Auf ein Wort

 

Die Verdrängung der Wirklichkeit

 

Während der nunmehr hinter uns liegenden Karnevalszeit werden manche Zecher am eigenen Leib gespürt haben, dass Alkohol nicht gesund ist. Selbst der Genuss kleinster Mengen. Auch dumme Sprüche, die in Weingütern und Gasthäusern grassieren, etwa „Jeden Tag ein Viertel Wein ist Medizin“, ändern nichts an der grundsätzlichen Unverträglichkeit dieser Droge. Noch bis in die späten 1990er Jahre konnte man in Lokalen an der pfälzischen Weinstraße lesen „Gott erhalt‘s – Wein aus der Pfalz“.
 

Die Kirchen der Reformation schenken beim Abendmahl roten oder weißen Wein an ihre Gläubigen aus (hin und wieder werden auch Weintrauben gereicht). Und der jüdische Wanderprediger Jesus, der sich historisch nicht nachweisen lässt, soll Wasser in Wein verwandelt haben, damit die Gäste einer Hochzeitsfeier nicht dürsten. Folgt man der Hebräischen Bibel, also dem Alten Testament, galt Wein in dem verheißenen Land, „wo Milch und Honig“ flossen, als Lebensmittel. Schade, dass der nicht fassbare Gott die Menschen nicht unempfindlich gegenüber Alkohol gemacht hat.
 

Beim Schreiben dieser Zeilen höre ich die Stimmen der Experten, die aus dem Buch Deuteronomium (hebräischer Name „Debarim“) zitieren: „Siehe, ich habe vor euch bereitet das Leben und das Gute sowie den Tod und das Böse. Ihr aber wählet das Leben.“ Das soll die Autonomie des Menschen deutlich machen. Denn er darf sich entscheiden. Jedoch stets zwischen Möglichkeiten, die andere definiert haben. Sei es der Schöpfergott JHWH, sei es die Evolution, seien es Mächtige, welche die Dinge des Daseins für sich reklamieren. Mit dem Elend in der Welt wolle Gott die Menschen in Versuchung führen. Das glauben bis heute christliche Fundamentalisten. Eine seltsame Logik. Möglicherweise bedarf es – um beim Ausgangsproblem zu bleiben - des Alkoholrauschs, damit sich der Weingeist der Religionen entfalten kann – entweder als Spirit oder als Dämon. Vor Abhängigkeit, so oder so, sei gewarnt.
 

Ich halte fest. Der von Menschen erdachte Gott dient der Selbstgerechtigkeit des Menschen. Und die Behauptung, Alkohol sei ein Getränk, das freimache von falschen Zwängen, ist ein Teil dieser Selbstgerechtigkeit.
 

Doch wenn ich alljährlich im Sommer durch die grünen Hügellandschaften der Pfalz und des Elsass mit ihren schier unendlichen Rebstöcken fahre, freue ich mich wie Goethe auf die Weinlese: „Bald geh ich in die Reben / Und herbste Trauben ein, / Umher ist alles Leben, / Es strudelt neuer Wein.“ Wie zu erwarten, bringt der damals noch junge Casanova anschließend die Liebe zur Sprache: „Doch in der öden Laube, / Ach denk ich, wär Sie hier, / Ich brächt ihr diese Traube, / Und Sie – was gäb‘ sie mir?“
 

Alkohol könnte ein Katalysator sein. Er beschleunigt unsere Leidenschaften und führt uns besonders schnell an die Grenzen unserer biologischen Möglichkeiten. Er zwingt uns einen dialektischen Prozess auf, vor allem den vom Kampf und der Einheit der Gegensätze.

 

Bleiben Sie dennoch bei klarem Verstand.
Ihr Klaus Philipp Mertens