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88. PRO LESEN - Themenwoche Januar 2020

"Ich habe eine Mordswut"

Der literarische Außenseiter Jörg Fauser
Buchausstellung im Bibliothekszentrum Sachsenhausen
20. bis 25. Januar 2020

Donnerstagabend-Lesung am 23. Januar '20, 19:00 Uhr:
Von Schneemännern am Rand der Städte
Exemplarisches aus seinen Romanen
Anschließend Publikumsgespräch
Eintritt frei

 

Wenn Satire auf Dummheit trifft

Ein altes Kinderlied mit neuem Text löst Empörung aus

 

Liebe Leserinnen und Leser,

 

es war als Satire gedacht, doch dann hagelte es Kritik. Der WDR hat das Video eines verballhornten Kinderlieds über Umweltsünden der Großeltern-Generation noch vor dem Jahresende 2019 gelöscht. Doch damit nicht genug. Morddrohungen gegen WDR-Redakteure, die das Satire-Lied „Meine Oma ist ‘ne alte Umweltsau“ produzierten und per Facebook verbreiteten, entlarven erneut die Milieus, welche sich in den so genannten „sozialen Netzwerken“ tummeln. Nur noch eine Minderheit der Nutzer lässt sich dem demokratischen Spektrum zurechnen. Die Shitstorms gegen seriöse politische Kritik bewegen sich auf dem Niveau von AfD & Konsorten und werden auch ganz offensichtlich von diesen Kreisen losgetreten.
 

Wenn sich WDR-Intendant Tom Buhrow für etwas zu entschuldigen hätte, dann für die Präsenz des Senders auf Facebook, Instagram, Whatsapp und Twitter. Denn der öffentlich-rechtliche Rundfunk verrät durch seine Teilnahme bei den Dissozialen die Prinzipien, die 1945 zu seiner Gründung führten (Radio Hamburg/Nordwestdeutscher Rundfunk). Dabei ist es unerheblich, ob das Video lediglich im privaten Facebook-Account eines Mitarbeiters oder innerhalb der offiziellen WDR-Facebook-Seite gezeigt wurde. Den demokratischen Sektor verlässt man so oder so nicht.

Gegen Teile des beanstandeten und umformulierten alten Liedes sind Einwände durchaus berechtigt. Denn die Klimakatastrophe muss vor allem den Eltern jener Kinder und Jugendlichen angelastet werden, die heute bei „Fridays for Future“ protestieren. Und weniger deren Großeltern. Die Oma, welche im Hühnerstall Motorrad fährt und dabei 1000 Liter Super im Monat vergeudet, müsste sinnbildlich durch die Mutti ersetzt werden, die sich als wahre Tussi entpuppt und die Städte mit den Abgasen ihres SUV vergiftet (z.B. wenn sie den Geländewagen als Elterntaxi verwendet). Gleiches gilt für den Pappi, der sich über die Wucht seines Straßen-Panzers definiert.

 

Zum Mitdiskutieren hier zwei typische Textausschnitte:
 

„Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad. Das sind tausend Liter Super jeden Monat. Meine Oma ist ´ne alte Umweltsau.“
 

Eine andere Strophe lautet:
 

„Meine Oma fährt mit ‘nem SUV beim Arzt vor, überfährt dabei zwei Opis mit Rollator.“

 

Am Ende des Videos hört man die Stimme der Umweltaktivistin Greta Thunberg: „We will not let you get away with this“ (Wir lassen Euch damit nicht davon kommen).
 

Satire hat sich eben nicht nur gegen Mächtige zu richten, wie Tom Buhrow meint, sondern auch gegen Dummheit. Letztere ist allzu häufig Voraussetzung dafür, dass Macht und Abhängigkeit überhaupt entstehen können. Vor allem der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss der Gesellschaft ständig einen Spiegel vorhalten. Und dabei den herrschenden Verhältnissen ihre je eigene Melodie vorspielen. Das kommt in dem Teil der Bevölkerung, der sich um den Verstand gebracht hat, nicht gut an. Aber das ist der Preis der Dummheit.
 

 

Bitte bleiben Sie kritisch, neugierig und uns gewogen.
Ihr Klaus Philipp Mertens