Das kritische Tagebuch

Die SPD in Frankfurt und Hessen nach der Abwahl von Peter Feldmann und vor der Landtagswahl

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Vom Geist der Zeit

Das geplante Einbürgerungsgesetz setzt falsche Akzente

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Anmerkungen zu „Letzte Generation“ und anderen Verirrten

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Das Gespenst der Korruption geistert durch Frankfurt am Main

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Nachrichten. Kultur – Politik – Wissenschaft

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In eigener Sache

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In der Nacht auf den 24.November ist der aktive Demokrat und Publizist im St.-Josefs-Hospital in Wiesbaden seinem Krebsleiden erlegen. Er wurde 77…

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SchreibWerkstatt

Neue Texte Frankfurter Autoren

Ernst Hilmer

98. PRO LESEN - Themenwoche

Literarisches von Literaturpreisträgern

 

 

12. – 17. Dezember 2022 im Bibliothekszentrum Frankfurt - Sachsenhausen

Eva Menasse, Gert Loschütz und Alois Hotschnig
Buchausstellung und Donnerstagabend-Lesung

 

15. Dezember 2022, 19:00 – 20:30 Uhr
Lesung aus „Dunkelblum“, „Besichtigung eines Unglücks“,
„Der Silberfuchs meiner Mutter“

Anschließend Publikumsgespräch. Eintritt frei

 

Auf ein Wort: Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich nur klar sagen

 

Einwanderungsland mit Ghetto-Perspektiven

 

Über Einwanderung und die Verleihung der deutschen Staatsbürgerschaft ist erneut ein Streit entbrannt. Sowohl innerhalb der Ampel-Koalition (mal wieder durch die FDP) als auch zwischen Regierung und Opposition. Allerdings: CDU und CSU taugen nicht als Kriterien für ein neues Staatsbürgerrecht. Gleiches gilt für AfD und andere Rechtsextreme, welche die brutale Seite der Dummheit abbilden. Vielmehr repräsentieren diese Parteien exakt jenen Grundbestand an mangelndem intellektuellen Transfervermögen im bildungsfernen Teil der Bevölkerung, der leider auch typisch ist für bestimmte Einwanderergruppen.

Erst unlängst erklangen die Alarmglocken der Bildungsexperten, die einen drastischen Verfall an Sprach- und Mathematikkompetenz bei Migrantenkindern in der Grund- und Hauptschule diagnostizierten. Da diese hinsichtlich ihrer Talente sicherlich nicht schlechter ausgestattet sind als die Mehrzahl der seit vielen Generationen hier Ansässigen, deutet vieles auf Ursachen hin, die mit der sozialen Situation der Familien zu tun haben. Dort dienen Sprache und Bildung häufig nur noch der Binnenkommunikation innerhalb spezifischer, auch von fundamentalistischen Religionen geprägter, Milieus.

Ein Rückblick in die deutsche, vor allem die preußische, Geschichte zeigt, dass die Einführung der Schulpflicht im frühen 19. Jahrhundert zunächst eine Absichtserklärung war, die mangels Lehrern, Schulgebäuden und entsprechender Verwaltung nicht umgesetzt werden konnte. Doch unter dem Druck der fortschreitenden Industrialisierung erwies sich eine solide Allgemeinbildung als Voraussetzung für eine erfolgreiche moderne Volkswirtschaft. Wobei es einen Unterschied zwischen vor allem katholischer Landbevölkerung und zunehmend säkularer bzw. weltanschaulich liberalerer Stadtbevölkerung gab. Auch die Kinder der arbeitenden Klassen wurden von ihren Eltern dazu angehalten, in der Schule und in der Öffentlichkeit Hochdeutsch zu sprechen. Intuitiv war vielen klar, dass es Kommunikationsregeln gibt, damit man über soziale Gruppen hinweg dialogfähig wird. Und nur dadurch die bescheidenen Aufstiegsmöglichkeiten nutzen kann.

Die seit den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts ins Ruhrgebiet eingewanderten polnischen Arbeiter (aus dem deutschen, österreich-ungarischen und russischen Polen, außerdem aus Masuren) zeigten, dass Integration möglich ist, wenn die Betreffenden sie auch wollen, was immerhin einem Drittel der ursprünglichen Einwanderer gelang – vielfach gegen den Widerstand der Einheimischen. So galt der Gelsenkirchener Fußballverein „Schalke 04“ noch lange als „Polackenverein“ wegen der polnischen Namen vieler Spieler. Eine nennenswerte Anzahl von Ruhrpolen haben allerdings ihre Namen eingedeutscht. Andere hingegen waren stolz, Czerwinski, Kwiatkowski, Kuzorra, Marcinikak oder Szepan zu heißen.

Mutmaßlich würde eine organisierte Einwanderung beruflich Qualifizierter nach Deutschland, die von Kanzler Scholz und Innenministerin Faeser konzipiert wird, sogar gelingen, weil die Motivation zur Integration hoch sein dürfte. An der Situation der unterprivilegierten Migranten würde das jedoch nichts ändern. Deswegen stellt sich die Frage, welches Problem einer vorrangigen Lösung bedarf. Qualifizierung der Abgehängten oder die weitere Öffnung der sozialen Schere?

 

Ihr Klaus Philipp Mertens