Das kritische Tagebuch

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SchreibWerkstatt

Neue Texte Frankfurter Autoren

Ernst Hilmer

Das PRO LESEN - Thema im April 2021

Intermezzo für Max Frisch

 

Wegen der Corona-Schutzmaßnahmen bleibt das Bibliothekszentrum Frankfurt-Sachsenhausen bis voraussichtlich Ende August geschlossen. Wir werden deswegen geplante Lesungen und Vorträge im monatlichen Rhythmus an dieser Stelle vorab vorstellen und darauf hoffen, sie ab dem Spätsommer in gewohnter Weise in der Bibliothek durchführen zu können.
 

Im April erinnern wir aus Anlass des 30. Todestags am 4. April 1991 an Max Frisch und insbesondere an sein Drama "Graf Öderland", das sein persönlich liebstes war, mit dem er jedoch wenig Erfolg hatte.

 

Tractatus logico-coronarus

Überlegungen zu einem verstandesgemäßen Umgang mit dem Virus

 

Liebe Leserinnen und Leser,
 

vor 100 Jahren erschien zum ersten Mal Ludwig Wittgensteins sprachphilosophische Abhandlung „Tractatus logico-philosophicus“ als Vorabdruck in einer naturwissenschaftlichen Zeitschrift. Dieser Text, der die Funktion und die Grenze von Sprache in der Form einer durchnummerierten Folge logischer Sätze begreifbar macht, hat seither auf viele Philosophen und Sprachwissenschaftler inspirierend gewirkt. Und er könnte auch in der gegenwärtigen Pandemie eine Hilfe sein. Nämlich dabei helfen, das zu sagen, was objektiv gesagt werden kann. Und daraus ableiten, was zu tun ist.
 

Konkret: Was sich über Covid-19 sagen lässt, muss einerseits den Tatsachen entsprechen und muss notwendigerweise klar gesagt werden. Und andererseits können den eindeutigen Aussagen nur vernünftige Handlungen folgen. Was jenseits wissenschaftlicher Erkenntnisse lediglich spekulativen Charakter aufweist, darf nicht berücksichtigt werden. Denn das Denken und vom Denken geleitetes Handeln können nur im Bereich des Rationalen erfolgen. Jenseits dessen Grenze liegt nur das Unsagbare, also der Unsinn. Auch wenn dieser sich selbst mitunter als querdenken bezeichnet.
 

Covid-19 hat eine vielfältige Tatsachenlage, also eine Summe von Sachverhalten, hervorgebracht. Diese legt fest, was zu tun und was zu unterlassen ist.
 

Die Dinge und die Verbindungen zwischen ihnen, die in Sachverhalten vorkommen, müssen ihrem Wesen nach in diesen ursprünglich angelegt sein. So benötigt das Virus einen Wirt (den Menschen). Verweigert sich letzterer (durch Kontaktbeschränkungen), trocknet es aus. Wird dieser Verweigerungsakt gelockert, also dem Gefühl statt der Ratio überlassen, hebt er faktisch das gesetzte Ziel auf und verhindert genau das, was er eigentlich bewirken wollte.
 

Wenn Dinge und Sachverhalte in Tatsachen vorkommen, beinhalten sie auch die Möglichkeiten, wie mit ihnen umzugehen ist. Das gilt auch für das Virus. Dinge von außerhalb einfließen zu lassen, beispielsweise einseitige (kommerzielle und/oder politische) Interessen, die weder der Vernunft noch der tatsächlichen Wirklichkeit entsprechen, würde die Verschiebung logischer Ebenen und unausbleiblich die Nichtlösbarkeit des Problems bedeuten.
 

Jedes Ding, jede Sache und jeder Sachverhalt in dieser Menge von Tatsachen ist einfach und logisch konstruiert, aber eben nicht primitiv. Einfaches (Klares) wächst in der Summe zu Komplexem zusammen. Primitives hingegen zu Vorurteilen, Dogmen oder Verschwörungsideologien.
 

„Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“, meinte Ludwig Wittgenstein am Ende seines Traktats. Daraus erwächst allen, die rational und entlang der Tatsachen handeln müssen, was Mut erfordert, die Verpflichtung, Unsagbarem und Unsäglichem, also dem Populistischen, strikt die öffentliche Bühne zu verweigern. Letztere liegen, wie bereits erwähnt, in der Sphäre des Unsinns. Covid-19 lässt sich nicht mit Unsinn beherrschbar machen.

 

Fazit: Schließt die Wirts-Türen (auch im doppelten Sinn), gestattet dem Virus keinen Zutritt und impft, was das Zeug hält. Mehr ist logischerweise nicht zu sagen.

 

Bleiben Sie wachsam,
Ihr Klaus Philipp Mertens