Frankfurter Netzzeitschrift für Kultur, Literatur & gesellschaftlichen Diskurs

Vom Geist der Zeit

Die EZB operiert auf rechtlich ungesichertem Terrain. Zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts

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Eine Rechnung über 517 Billionen Euro an die Corona-Verharmloser

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Über die Umdeutung der Grundrechte

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Ignoranten, Neonazis und Verschwörungsfanatiker

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Buchtipps

Erste Sätze der Weltliteratur und was sie uns verraten

Von Peter-André Alt

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Gedenktage im Juni

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Gedichte von Ernst Hilmer

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Beim Betreten des Hauses bis zum erworbenen Sitzplatz sowie bei Verlassen des Hauses ist das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung vorgeschrieben.

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SchreibWerkstatt

Neue Texte Frankfurter Autoren

Hanns - Martin Dorenkamp: Der Jakobiner-Club

Das PRO LESEN - Thema

Heimito von Doderers Projekt „Roman Nr. 7“

 

 

90. PRO LESEN-Themenwoche
Geplant für die Woche vom 14. – 19. September 2020 im Bibliothekszentrum Sachsenhausen unter der Voraussetzung, dass die Corona-Pandemie es zulässt

Heimito von Doderers Projekt „Roman Nr. 7“
Das unvollendete Spätwerk

 

Lesung am 17. September, 19:00 – 20:30 Uhr
Heimito von Doderer: Die Wasserfälle von Slunj (Auszüge)

Anschließend Publikumsgespräch
Eintritt frei

 

 

 

 

Die Frankfurter Buchmesse im Corona-Jahr 2020

Mutlos in die Katastrophe?

 

Liebe Leserinnen und Leser,
 

seit 1966 habe ich berufsbedingt vierzig Jahre die Frankfurter Buchmesse besucht. Zum Schluss war es einfacher, zuverlässige Informationen über Inhalte, Autoren, Lesungen oder Vertriebsmarketing per Telefon, E-Mail und Internet bei den Verantwortlichen in den Verlagen abzufragen. Manche Kontakte ließen sich auf diese Weise sogar intensiver pflegen. Und mir wurde zunehmend bewusst, dass sich das Lesemedium Buch am besten durch Texte erklärt. Vor allem durch solche, in denen nicht geschwafelt wird - wie auf unsäglichen Promi-Shows, die eher eine Karikatur der Literatur sind als eine Einladung zum Lesen.
 

Darum bin ich seit ihrer Neubelebung häufiger zur Leipziger Buchmesse gefahren. Man war am eigentlichen Gegenstand, nämlich der Literatur, dichter dran. Diese in Corona-Zeiten nicht mehr gewährleistete Unmittelbarkeit hat die Verantwortlichen in Leipzig zur Absage veranlasst. Daran hätten sich die Frankfurter ein Beispiel nehmen sollen. Allein die Stornierungen wichtiger Belletristik-Verlage (Bertelsmann/Random House oder Holtzbrinck) sind ein Warnsignal mit Langzeitwirkung.
 

Die Buchmesse GmbH hätte aus einer Absage sogar eine Ansage machen können. Beispielsweise die Ankündigung einer völlig neuartigen „Frankfurter Buchmesse digital“. Was praktisch einer digitalen, alphabetisch nach Verlagsnamen sortierten Verlagsvorschau im Internet entspräche. Mit zusätzlich angehängten Probeseiten der neuen Romane und Sachbücher, idealerweise ergänzt um Kurz-Hörbücher. Innerhalb eines professionell betreuten Blogs ließe sich auf die Anfragen der Fachbesucher und des literarisch interessierten Publikums eingehen, wodurch Messegespräche hätten adäquat ersetzt werden können.
 

Das alles mit deutlicher Distanz zu dissozialen Netzen wie Facebook, Instagram, Whatsapp & Co. Um nicht unerwünschte Besucher (Persönlichkeitsgestörte, Pornografie-Konsumenten, Rechtsradikale, Verschwörungsfanatiker) anzulocken.
 

Dort, wo die Räumlichkeiten und deren zentrale Lage es gestatten, hätten sich in das Konzept eingebettete Lesungen unter Corona-Rahmenbedingungen durchführen lassen.
 

Aus den Erfahrungen einer solchen Messe der ganz anderen Art wären zumindest Ansätze für neue Perspektiven und zukunftsfähige Modelle entstanden. Selbst falls diese Zukunft nicht mehr von Corona bestimmt sein sollte. Aber eine andere Katastrophe greift bereits in unser Leben ein, die Klimaveränderung. Sie zwingt auch die gesamte Medienbranche zu tragfähigen Lösungen.
 

Warum lässt man sich die Gelegenheit für die Erprobung einer Alternative entgehen? Mangelt es an Phantasie? Fühlt man sich von Kommunalpolitikern unter Druck gesetzt? Ausgerechnet von solchen, die ihr gebrochenes Verhältnis zur Kultur seit Monaten bei der Krise um den Fortbestand der Frankfurter Theaterdoppelanlage unter Beweis stellen?
 

 

Bitte bleiben Sie kritisch, neugierig und uns gewogen.
Und achten Sie auf Ihre Gesundheit.
Ihr Klaus Philipp Mertens