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Archiv "Themenwochen"

120. PRO LESEN – Themenwoche, 17. – 22. März 2025

Der erste Satz ist der schwierigste und wichtigste

Über literarisches Schreiben

 

Schreiben heißt, die Welt doppelt zu erfahren. Man tritt doppelt in sie ein: einmal mit dem Geschriebenen in seiner materiellen und visuellen Prägung (Schrift, Gekritzel, Spuren auf einer Oberfläche, Pixel auf einem Bildschirm), einmal mit dem, was dieses Geschriebene alles bedeuten und nach sich ziehen kann (aufgerufene Ereignisse, Personen, Geschichten, Zustände). Die Doppelung wiederholt sich beim Lesen: Was steht buchstäblich da? Und was lese, was erkenne ich darin? Und weiter noch: Wie verhält sich dies alles zu dem, was ich darüber hinaus zu kennen glaube? Diese Fragen stellen sich allerdings schon beim Schreiben. Denn Schreiben besteht praktisch immer auch aus dem fortlaufenden Lesen des gerade (sowie auch des weiter zurückliegend) Geschriebenen - und aus der Spannung, die das Geschriebene und das zu Schreibende zur Welt rundherum aufweist. Dadurch wird der ganze Schreib Vorgang zu einer ziemlich komplizierten Angelegenheit. Literatur ist ein möglicher Name dafür und literarisches Schreiben ein Schreiben, das Komplikationen dieser Art nicht scheut.

 

Über Literarisches Schreiben
Der erste Satz ist der schwierigste und wichtigste

Büchertisch und Vortrag im Bibliothekszentrum Sachsenhausen (Obergeschoss)

 

Die Sachsenhäuser Literaturinitiative Pro Lesen bietet im März eine Informationsveranstaltung über literarisches Schreiben an. Sie wendet sich an Leserinnen und Leser, die nach Wertmaßstäben suchen, um Belletristik korrekt beurteilen zu. Darüber hinaus auch an alle, die selbst schreiben möchten und nach Anleitung suchen. 

 

Pro Lesen greift dabei eine der ältesten Streitfragen auf, die unter angehenden Schriftstellern gestellt werden: Ist literarisches, also künstlerisches Schreiben eine Gabe, die man hat oder nicht hat, oder ob es sich um eine erlernbare Kunst handelt. In der Literaturwissenschaft herrscht weitgehend Übereinstimmung in der Auffassung, dass Handwerklichkeit bereits in dem Moment im Spiel sei, in dem jemand das Alphabet benutzt und dadurch schon einen Lernprozess durchlaufen hat, der Fertigkeiten und Kulturtechniken durchlaufen hat. Nämlich das Aneinanderreihen von Buchstaben auf einer Zeile von links nach rechts (in der deutschen Sprache) sowie die Beachtung von sprachlichen und stilistischen Konventionen. Schreibenlernen hieße dann: Ein auf Erfahrung gründendes Wissen darüber zu erwerben, wie man schreibend die Spannung zwischen Idee und Ausdruck nutzen kann, um Texte zu Papier zu bringen, die formal und inhaltlich aussagefähig sind. Mit anderen Worten: Unsere manuelle Arbeit mit Wörtern, Sätzen und Ideenketten soll uns für Stilfragen sensibilisieren. 

 

Am Donnerstagabend, 20. März 2025, 
findet im Obergeschoss des Bibliothekszentrums Sachsenhausen 
ein Studiogespräch mit Vortrag statt. 
Beginn 19:00 Uhr, Ende gegen 20:30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

 

Unter dem Titel
„Der erste Satz ist der schwierigste und wichtigste“
werden Anfänge moderner deutschsprachiger Romane vorgestellt und ihr Stil analysiert. Das anschließende Publikumsgespräch dient dem Austausch von Erfahrungen und Meinungen. 
Die Besucher erwarten viele literarische Leckerbissen und etwas literaturwissenschaftliche Theorie. Der Abend wird moderiert von Klaus Philipp Mertens, dem Ersten Vorsitzenden von Pro Lesen.

Der Büchertisch ist während der Öffnungszeiten der Bibliothek zugänglich.